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FAQ zum Dümmer - Insektenplage

Warum gibt es am Dümmer bereits ab dem Frühjahr und während der ganzen Saison so eine große Insektenplage?

Was sind das für Insekten? Sind das dieselben, die auch auf dem Deich sind? Stechen sie? Kommen die Tiere aus dem Wasser?
Wachsen sie auch mitten im See?

Steht die Insektenplage im Zusammenhang mit der schlechten Wasserqualität?

Falls die Insektenplage mit der Wasserqualität zu tun hat, warum tritt sie schon im Frühjahr auf, wenn das Wasser doch noch gut ist?

Was kann man gegen die Insektenplage tun?


Als “Insektenplage“ empfunden wird das in den vergangenen Jahren am Dümmer – wie auch am Steinhuder Meer - vermehrt aufgetretene Massenvorkommen von mehreren Arten der sog. „Zuckmücken“ (Chironomiden) in z.T. riesigen Schwärmen. Sie versammeln sich oft über Geländeerhöhungen (Deich) oder über markanten Punkten, wie einzeln stehenden Gehölzen, Häusern oder Kirchtürmen. Es gibt Berichte, wonach solche Schwärme aus der Ferne als Rauchwolken missdeutet wurden und zu falschem Feueralarm geführt haben. Die Schwarmbildung dient ausschließlich der Partnerfindung zur sexuellen Vermehrung: Zuckmücken stechen nicht und sind auch sonst vollkommen harmlos, in Massen allerdings lästig. Der Artentrennung bei der Partnerfindung dient u.a. tages- und jahreszeitlich unterschiedliches Erscheinen der verschiedenen Arten, sodass Zuckmücken während der gesamten warmen Jahreszeit vorkommen können.
Die längste Zeit ihres (einjährigen) Lebens verbringen Zuckmücken als Larven in Gewässern. Die Lebensdauer der ausgewachsenen, fliegenden Insekten (Imagines) beträgt zumeist nur wenige Tage.

Zuckmücken kommen in Gewässern aller Art vor. Sie leben oft im Schlamm in selbst gebauten Wohnröhren, aber auch auf anderen Substraten (z.B. Wasserpflanzen). Die einzelnen Arten sind Indikatoren für den Gewässerzustand z.B. eines Sees: Es gibt sauerstoffbedürftige Arten, die nur in nährstoffarmen (oligotrophen) Seen vorkommen, andere nur in nährstoffreichen (eutrophen) Gewässern (wie im Dümmer), die auch zeitweiligen Sauerstoffmangel vertragen. Dort können sie sehr hohe Siedlungsdichten erreichen von bis zu mehreren tausend Larven pro Quadratmeter. Ihr Vorkommen hat nichts zu tun mit der sich jahresperiodisch oder unregelmäßig kurzzeitig verändernden Wasserqualität.

Zuckmückenlarven haben wichtige Funktionen in einem Gewässerökosystem: Sie bilden die Nahrungsgrundlage für viele räuberische Wasserbewohner (z.B. Kleinkrebse, Wassermilben), aber auch für bodentierfressende Fische (z.B. Karpfen, Schlei, Brassen, Güster). Die derzeitige „Insektenplage“ indiziert den Zusammenbruch des Fischbestandes im Dümmer vor einigen Jahren (vgl. Fischbestand, Fischsterben). Sowohl die Larven als auch die fliegenden Insekten sind zudem zeitweilig bedeutende Nahrungsgrundlage für viele Vögel und Fledermäuse.

Viele Zuckmückenlarven leben im Sediment in selbst gegrabenen Wohnröhren, die in eine Sedimenttiefe von bis zu 20 cm reichen können. Sie müssen zur eigenen Nahrungs- und Sauerstoffversorgung ständig Wasser durch ihre Röhren pumpen. Da allein eine Zuckmückenlarve bis zu 60 ml Wasser pro Stunde durch ihre Wohnröhre pumpt sind dies bereits bei einer Besiedlungsdichte von 800 Larven pro m² mehr als 1000 l (=1 m³ !) Seewasser pro Tag. Im Sediment des Dümmers wurden regelmäßig auch noch höhere Besiedlungsdichten festgestellt. Somit wird innerhalb eines Tages das gesamte Wasservolumen des Sees von den Zuckmückenlarven durch ihre Wohnröhren gepumpt. Der mit dem Seewasser mitgeführte Sauerstoff diffundiert dabei in das umgebende Sediment und führt dort aufgrund chemischer Prozesse zur Festlegung von Phosphat. Positive Konsequenz für den Dümmer: Das Vorkommen von Zuckmücken reduziert die Phosphat-Rücklösung aus dem Sediment und verringert damit die Verfügbarkeit dieses wachstums­limitierenden Nährstoffes für die planktischen Algen. Um Nahrung zu erbeuten wird das Wasser des Sees dabei von den Larven gefiltert, wobei auch planktische Algen gefressen werden.

Fazit: Eine „Bekämpfung der Insektenplage“ ist allein aus Gründen der Dümmersanierung nicht sinnvoll. Sie wäre durch „großflächiges Besprühen z.B. mit Insektiziden“ gesetzlich auch gar nicht zulässig: Die „Insektenplage“ ist eine von den unangenehmen Realitäten, mit denen die Betroffenen / Anwohner vorübergehend leben müssen, wenn sie denn einen Dümmer im naturnahen (sanierten) Zustand haben wollen. Ein sanierter See, der den Fische durch eine reichhaltige Unterwasservegetation wieder günstige Lebensbedingungen bietet, ist die Grundlage für einen sich regenerierenden Fischbestand im Dümmer. Der Fraßdruck der Fische auf die Larven der Chironomiden wäre dann auch in der Lage die Zuckmücken zu reduzieren.

Informationen: Im Internet: Wikipedia – Zuckmücken

siehe Fischbestand

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