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FAQ zum Dümmer - Schlamm

Wie kommt der Schlamm in den Dümmer? Wie entsteht er?

Der Dümmer ist ein verlandender Flachsee. Dies ist ein an sich natürlicher Vorgang, der jedoch durch anthropogene (von Menschen gemachte) Einflüsse in den vergangenen Jahrzehnten beschleunigt wurde. Der Dümmer wird hauptsächlich durch die obere Hunte mit Wasser gespeist. Mit dem Wasser gelangen auch Bodenpartikel und Nährstoffe in den See. Auf Grund der geringeren Fließgeschwindigkeiten im See setzen sich die Bodenpartikel ab und bilden ein Teil des Schlammes / des Sedimentes.

Die im See vorhandenen und über die Hunte in den See gelangten Nährstoffe verstärken die seeinterne Entwicklung von Wasserorganismen (Plankton und höhere Wasserorganismen) deren Reste am Ende ihres Lebenszyklus sich ebenfalls auf dem Seegrund ablagern und den größten Teil des seeeigenen Schlamms bilden.

Daneben finden im See auch chemische Prozesse statt, die infolge der Nutzung von Kohlenstoffdioxid durch die planktischen Algen verursacht werden. Durch diese biogene Kalkfällung werden jedes Frühjahr rund 200 t Calcit aus dem Seewasser ausgefällt, so dass der Schlamm des Dümmers sehr kalkreich ist. Durch die Schalenreste sedimentierender Kieselalgen wird zusätzlich eine nicht unerhebliche Menge an Silikat im Seeschlamm abgelagert.

Es ist davon auszugehen, dass durch eine weitere Reduzierung der Phosphor-Einträge im Rahmen der Sanierung des Seeeinzugsgebietes auch die jährlich produzierte Schlammmenge deutlich sinken wird.


Hat der Schlamm mit der schlechten Wasserqualität zu tun?

Die zu hohen Nährstoffeinträge in den See führen zu einer überhöhten Biomasseproduktion mit einhergehender Schlammneubildung. Auch im natürlichen Sediment eines Sees ist der Nährstoff Phosphor gespeichert. Im Dümmer ist der Gesamtphosphorgehalt im Schlamm von 1983 bis heute bemerkenswerterweise auf ca. 1/3 abgesunken. Im Steinhuder Meer - das bereits im Jahre 2002 mit einem massiven Aufwuchs von Unterwasserpflanzen bereits das Potential zu einer deutliche Verbesserung des gewässerökologischen Zustand zeigte - finden sich mit dem Dümmer vergleichbare und zum Teil auch deutlich höhere Gehalte an Phosphor im Seeschlamm. Im Verhältnis zu den nach wie vor zu hohen Nährstofffrachten der Hunte sollte daher die Bedeutung des Seesedimentes auf die Wasserqualität nicht überbewertet werden.


Wenn jedes Jahr gebaggert wird, warum wird der Schlamm nicht weniger?

Die Schlammneubildung im See ist ein kontinuierlicher Prozess, der durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst wird (z.B. Nährstoffeintrag, Hochwasser).

Die jährliche Schlammneubildung wird auf 50.000 m³ geschätzt. Die gemäß Dümmersanierungskonzept von 1987 vorzunehmenden Entschlammungen sollen lediglich diese Neubildungsrate entnehmen, um den Status quo im See aufrecht zu erhalten. Es handelt sich dabei lediglich um eine Unterhaltungsmaßnahme um insbesondere die touristische Nutzung des Sees weiterhin zu gewährleisten und einer Verlandung entgegen zu wirken.

Es ist davon auszugehen, dass mit einer Verbesserung der Wasserqualität auch die jährliche Verschlammungsrate signifikant sinken wird und somit das Baggern langfristig in deutlich verringertem Umfang erforderlich sein wird.


Kann man den Dümmer nicht einmal trockenlegen und komplett ausbaggern?

Das Gesamtschlammvolumen des Dümmers wird auf 2,2 – 2,3 Mio./m³ Schlamm geschätzt. Das vorhandene Material ist grundsätzlich ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems Dümmer. Unter Berücksichtigung der sonstigen Ansprüche an den See und sein Umland insbesondere im Hinblick auf den Naturschutz scheidet ein „Komplettentschlammung“ aus. Seit Beginn der Entschlammung 1975 sind dem Gewässer mehr als 2,1 Mio./m³ Schlamm entnommen und in insgesamt 4 Schlammdeponien abgelagert worden. Die Kosten der Entschlammung beliefen sich seit 1974 auf rd.12,5 Mio./€.

Wer allerdings glaubt, dass nach einer einmaligen kompletten Entnahme des gesamten im See abgelagerten Schlammes sich der Phosphatgehalt im See deutlich verringert, täuscht sich.

Der Phosphorgehalt im Schlamm des Dümmers ist keineswegs höher als in anderen niedersächsischen Flachseen (z.B. Steinhuder Meer). Im Verhältnis zu den hohen Phosphoreinträgen aus dem Einzugsgebiet der Hunte ist die potentielle Phosphorfreisetzung aus dem Sediment nicht über zu bewerten. In Mecklenburg Vorpommern konnte anhand von langjährigen Erfahrungen im Bereich der Seesanierung nachgewiesen werden, dass die kostenintensiven Schlammentnahmen als Maßnahme der Seesanierung nur in einem von 15 Seen einen verbessernden Effekt auf den gewässerökologischen Zustand des Sees zeigten meistens jedoch wirkungslos blieben oder sogar kontraproduktiv waren.

Ein einmaliges komplettes Ausbaggern des Dümmers würde - unabhängig von den nicht abschätzbaren Auswirkungen auf das Gesamtökosystem Flachsee - das eigentliche Problem nicht beseitigen. Solange das Wasser der zufließenden Hunte so nährstoffreich ist wie bisher, würden bei einer „Wiederbefüllung“ des Sees mit Huntewasser die bekannten Probleme erneut einsetzen.


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