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FAQ zum Dümmer - Weitere Fragen

Kann man nicht einfach den Deich an einigen Stellen im Süden/Norden des Dümmer aufbrechen und den See im Winter wieder über die Flächen überlaufen lassen? Kann man dadurch die Nährstofffracht in den Dümmer während der übrigen Zeit auf ein erträgliches Maß verringern?

Um die regelmäßigen Überschwemmungen im gesamten Dümmergebiet zu verhindern, die früher große Bereiche der Dümmerniederung von Hunteburg, Damme, Lembruch, Diepholz bis nach Barnstorf überflutet und große Schäden für die Bewohner verursacht haben, wurde schon zu Beginn des vergangenen Jahr­hunderts der Plan gefasst, den Dümmer einzudeichen. Der Dümmer dient seit seiner Eindeichung als Hochwasserrückhaltebecken. Er wird gemäß Betriebsplan über verschiedene Ablassbauwerke gesteuert.

Die Öffnung des Deiches / der Verwallung würde die Funktion des Hochwasserrückhaltebeckens aufheben und zu einer unkontrollierten Überflutung der Überschwemmungsgebiete rd. um den Dümmer führen. Die aufnehmenden Gewässer, z.B. der Randkanal und die Alte Hunte würden ebenfalls ungestaut mit entsprechenden Wassermengen belastet. Nachteilige Auswirkungen auf die Unterlieger des Dümmers sind nicht auszuschließen, da sämtliche wasserwirtschaftliche Maßnahmen der 1950er und 1960er Jahre – so z.B. der Ausbau der Hunte von Diepholz nach Wildeshausen - die Funktion des Dümmers als Hochwasserrückhaltebecken voraussetzen.

Deichrückverlegungen sind auch im Zusammenhang mit dem Dümmersanierungskonzept von 1987 diskutiert worden; signifikante Auswirkungen auf die Nährstoffbelastung des Sees wurden derartigen Maßnahmen nicht zugerechnet. An dieser Einschätzung hat sich auch bis heute nichts geändert.
Durch die extensivere landwirtschaftliche Nutzung vor der Eindeichung im Jahr 1953 gelangten weit weniger Nährstoffe in den See. Die Effekte einer seitdem zunehmend intensivierten landwirtschaftlichen Nutzung mit deutlich erhöhten Nährstoffeinträgen in den Dümmer sind nicht mit den Folgen der Eindeichung – die vor allem Effekte auf den Wasserstand des Sees hat - zu verwechseln.

Literatur:

Die Huntemelioration
Hunte-Wasserverband (2003): 50 Jahre Dümmerdeich – Chronik und Ausblick - zu finden unter
hunte-wasserverband.de


Warum gibt es im Dümmer keine Binseninseln mehr? Warum kaum noch Schilf?

Die zu hohe Nährstoffbelastung des Dümmers in den vergangenen Jahrzehnten führte zu einer ganzjährig andauernden Massenentwicklung schwebender Algen, die das Lichtklima des Wasserkörpers zunehmend verschlechterten. Dies führte zunächst zu einem Verschwinden der ehemals ausgedehnten Unterwasservegetation des Sees und nachfolgend auch zu einem rapiden Rückgang der ehemals zahlreichen Binseninseln (Schoenoplectus lacustris). Der Rückgang der Schilfröhrichtbestände (Phragmites australis) hat komplexe - und z.T. miteinander in Beziehung stehende - Ursachen, wobei neben der zu hohen Nährstoffbelastung des Sees, die natürliche Wasserstandsdynamik, mechanische Schädigungen, die niedrige genetische Diversität (monoklonale Schilfbestände) sowie die progressive Sukzession durch Einwanderung bzw. Ersatz durch Weiden (Salix spp.), Rohrkolben (Typha spp.), Wasserschwaden (Glyceria maxima) und Kalmus (Acorus calamus) und auch der Fraßdruck durch Wasservögel und amphibische Säugetiere und wirbellose Konsumenten diskutiert werden.

Literatur:

Dokulill, M., Hamm, A., Kohl, J.-G. (2001): Ökologie und Schutz von Seen - UTB


Wir haben gehört, dass der Dümmer früher keinen Baumbestand hatte und der Wind das Wasser „durchgerührt“ und mit Sauerstoff versorgt hat. Hilft es jetzt, wenn man den Baumbestand wie den Erlenbruch im Südbereich fällt, die Weiden beschneidet?

Ein naturnaher Baumbestand der an die Verlandungszone eines Sees anschließt, entwickelt sich an jedem natürlichen Seeufer im Laufe der natürlichen Sukzession. Bei kleinen Seen kann ein hoher Baumbestand durchaus maßgeblichen Einfluss auf die Durchmischung des Wasserkörpers haben. Die Uferüberhöhung durch den Baumbestand am Dümmer ist jedoch aufgrund der Größe der Seefläche von zu vernachlässigender Bedeutung. Da die problematischen Situationen mit aufschwimmenden Blaualgen ja gerade in Zeiten fehlenden oder schwachen Windes auftreten, könnte selbst ein baumloses Ufer somit nicht zur Durchmischung des Wasserkörpers beitragen.


Wann wird es das “Wasser-Problem“ nicht mehr geben?

Erst wenn eine weitere deutliche Reduzierung der Nährstofffrachten, die aus dem Einzugsgebiet dem See über die Hunte zufließen, gelingt, werden die sich einstellenden geringeren Phosphorkonzentrationen im Seewasser nicht mehr für eine langandauernde Massenentwicklung von Blaualgen ausreichen. Erst wenn sich am Seegrund wieder ausgedehnte Bereiche mit Unterwasservegetation etablieren, kann ein guter gewässerökologischer Zustand des Dümmers erreicht werden, was den Vorgaben der EU-WRRL entspricht und die Gefahr von Blaualgenmassenentwicklungen nachhaltig verringert und auch zu einer Festlegung der Treibmudde führen wird und somit auch zu einer deutlich reduzierten Verschlammung in den strömungsberuhigten Ufer- und Hafenbereichen.


Werden die Gäste und Bewohner der Dümmer-Region schon im nächsten oder übernächsten Jahr eine spürbare Besserung der Situation feststellen können?

Da innerhalb der nächsten Jahre nicht mit einem deutlichen Rückgang der Nährstoffeinträge aus dem Einzugsgebiet zu rechnen ist und die geplanten oder noch zu planenden Maßnahmen erst mit einer gewissen Verzögerung ihre Wirkung im See entfalten können, kann in den nächsten Jahren leider nicht mit einer deutlichen Verbesserung der gewässerökologischen Situation des Dümmers gerechnet werden. Dennoch zeigen sich derzeit einige günstige biologische Faktoren im Dümmer, die einen Wechsel des Sees in den besseren ökologischen Zustand positiv beeinflussen könnten:

- Keine hohen Bestandsdichten planktivorer und benthivorer Fische (dadurch geringere Nährstoffverfügbarkeit im Wasserkörper; geringe Bioturbation im Sediment des Sees)

- Die Struktur des filtrierenden Zooplanktons ist zurzeit günstig (Klarwasserpotential!)

- Infolge dieser Klarwasserphase kam es im Frühjahr 2012 zum flächenhaften Aufwachsen von Unterwasserpflanzen, die einer Massenentwicklung von planktischen Blaualgen entgegen wirken. Zudem bieten Wasserpflanzen Fischen wichtige Laich- und Rückzugsräume.
Wasserpflanzen stabilisieren den Schlamm am Seegrund und verhindern so ein regelmäßiges strömungsbedingtes Verlagern von „Treibmudde“ in die Uferbereiche (Häfen etc.).

- Hohe Dichten von Chironomiden-Larven (siehe Insektenplage) im eisenreichen Sediment des Dümmers erhöhen zudem die Phosphor-Festlegung in tieferen Sedimentschichten

Da das ökologische Gleichgewicht in einem Flachsee grundsätzlich weitaus labiler ist, als in tieferen See ist somit eine sprunghafte Verbesserung des gewässerökologischen Zustandes nicht unmöglich. Bei einer anhaltend hohen Nährstoffbelastung aus dem Einzugsgebiet ist eine längerfristige Verbesserung aber eher unwahrscheinlich.

siehe Insektenplage


Was können wir Gäste und Freunde des Dümmer tun, um dem Dümmer zu helfen?

Nur wenn alle Beteiligten „an einem Strang ziehen“ und gemeinsam die fachlich sinnvollen und nachhaltigen Sanierungsmaßnahmen im Einzugsgebiet des Sees - über die nächste Landtagswahl hinaus - begleiten, hat der Dümmer wieder eine Chance zu einem von reichhaltigen Unterwasserpflanzenbeständen geprägten Flachsee zu werden. Ein guter ökologischer Zustand des Sees mit einer vielfältigen aquatischen Flora und Fauna würde dann auch in Zukunft einen hohen Freizeitwert für die Erholungssuchenden am Dümmer sichern.

Umfangreiche Informationen zum Thema Dümmer und zur Gewässerökologie des Sees finden Sie auch im Dümmer-Museum in Lembruch und in der Naturschutzstation Dümmer:

duemmer-museum.de

www.naturschutzstation-duemmer.niedersachsen.de


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